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Lymiell

Lymiell

Beitragvon Lymiell » Samstag 3. Januar 2009, 20:58

Erwachen

In Erwartung weiterer Pein öffnet die junge Elfe langsam und vorsichtig die Augen, eine Hand wie schützend davor haltend, die andere an den schmerzenden Schädel gepresst. Doch alles, was sie umgibt ist den Augen wohltuende Dunkelheit. Nach und nach dringen weitere Eindrücke in ihr Bewusstsein. Ihr gesamter Körper schmerzt, doch erscheint der Schmerz wie in weiter Ferne. Sie beginnt Einzelheiten um sich herum wahr zu nehmen. Und mit der Wahrnehmung kehrt auch die Erinnerung zurück. War sie nicht gerade noch in der Todesfestung gewesen? Zusammen mit einer kleinen handvoll wagemutiger Elfen? Hatte sie nicht grade eben noch voller Überzeugung ihre Waffen geschwungen und die Untoten dort dezimiert? Jene getötet, die willenlos der Geißel gehorchten und vernichtet werden müssen; jene getötet, die die Feide allen Lebens sind? Vor ihrem geistigen Auge entsteht langsam ein Bild.

Sie selbst ist zu sehen. Mitten in der Todesfestung, mitten im Kampf gegen Ghule, Banshees und anderes Getier der Geißel. Dort steht der Priester, der die kleine Truppe unbedingt begleiten wollte und nun vergeblich versuchte, sich gegen einen Berg aus zusammengenähten Knochen und Fleischfetzen zu wehren. Der vorerst letzte Gegner der jungen Elfe fällt und ohne zu zögern hechtet sie zwischen die Monstrosität und den Priester, fängt schwer ächzend den harten Schlag ab. Mit unbändigem Willen versucht sie das Monster zurück zu drängen, doch die Wucht der Schläge zwingt sie in die Defensive. Schlag um Schlag pariert sie die Angriffe, versucht nicht zurückzuweichen und merkt doch, wie sie langsam schwächer wird und schlussendlich ins Straucheln gerät. Den Ghul, der sich von links an sie heran schleicht, sieht sie nicht kommen. Und der Warnruf des Priesters dringt zu spät in ihr Bewusstsein. Schon mit dem nächsten Lidschlag bohrt sich die rostige, dreckige Klinge des Ghuls tief in ihre Seite. Stumm und mit schreckensgeweiteten Augen sinkt sie gen Boden, ist bereits tot bevor ihr Kopf unsanft auf den Boden schlägt.


Das Bild verschwindet. Nur tiefe Schwärze und schier unendliche Verwirrung bleiben zurück. - Wenn ich doch gestorben bin, warum liege ich dann hier und lebe? - Nur langsam kommt ihr zu Bewusstsein, dass sie seit geraumer Zeit den Atem anhält, jedoch keine Atemnot spührt. Sie schließt die Augen und sucht konzentriert an ihrem Handgelenk nach ihrem Puls. - Nichts. Am Hals? - Nichts. Zitternd legt sie eine Hand auf ihr Herz, hofft wenigstens das beruhigende Klopfen des Lebensmotors zu spühren, doch ihre Hoffnung zerbricht. Das Herz schweigt still. Und ganz langsam dringt die Erkenntnis in ihr Bewusstsein, dass sie tot ist und dennoch lebt. Dass ihr Körper nun von unheiligem Leben erfüllt ist, und ihre Seele keine Ruhe finden wird. Sie ist nun das, was sie noch vor kurzem so voller Hingabe und Inbrunst bekämpfte. Sie ist eine Untote. Verzweifelt schließt sie die Augen, versucht vergeblich einen Ausweg zu finden.

Da kam er - Gevatter Tod - Und ich meinte den kahlen Schädel lächeln zu sehen, als er mich mit dem Leben strafte.
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Re: Lymiell

Beitragvon Lymiell » Sonntag 4. Januar 2009, 06:52

Die Stimme

Zuerst ist das Wispern in ihrem Kopf nur sehr leise. Als sie es bemerkt weiß sie nicht, wie lange es schon vorhanden ist. Das Wispern beruhigt sie Stück für Stück, eine Konstante, die sie von ihren panischen Gedanken ablenkt. Die Worte der leisen Stimme sind ihr fremd. Sie weiß, sie sollte sie verstehen, doch der Sinn bleibt ihr fremd. Es dauert lange, bis sie sich wirklich auf die Stimme einlässt. Bis sie die Panik bei Seite schiebt und sich auf die Worte konzentriert, die sie verstehen sollte. Und langsam beginnt sie die Stimme zu verstehen. Es sind beruhigende Worte, die sie hört. Worte, die ihr die Ängste nehmen und sie langsam aber sicher ihre Vergangenheit vergessen lassen. Worte, die die Kriegerin in ihr wieder hervor locken. Worte, die darauf zielen sie kampfbereit zu machen. Worte, die ihr einflüstern, Arthas persönlich hätte entschieden, dass sie, Lymiell, nicht für die Welt verloren sein darf. Und sie gibt sich ihr hin, lässt sich von den Worten einhüllen wie von einer wärmenden Decke. Saugt die seltsame Geborgenheit, die ihr die Stimme gibt auf wie ein trockner Schwamm Wasser aufsaugt. Sie weiß nicht mehr, ob sie erst ein paar Stunden, oder gar Tage, Wochen, Monate so in der Dunkelheit liegt und der Stimme lauscht, sich an ihr festhält und qualen leidet, wenn sie schweigt. Dann, endlich ist es soweit. "Komm, meine Tochter, meine auserwählte Ritterin. Komm zu mir und beweise, dass ich mich in dir nicht getäuscht habe!" Befehlend und Lockend zugleich sind die Worte, die Lymiell aufstehen lassen. Ungewohnt sicheren Schrittes bewegt sie sich durch die Dunkelheit, stößt eine steinerne Türe auf, welche sie bisher garnicht bemerkt hatte. Das dämmerige Licht halb heruntergebrannter Fackeln begrüßt sie in einem schmalen Gang. Ohne inne zu halten folgt sie diesem, stört sich nicht daran, dass sie keinerlei Kleidungsstück mehr am Körper zu tragen scheint. Es zählt einzig der Ruf der Stimme in ihrem Kopf. Sie biegt um eine Ecke und sieht am Ende des Ganges einen kleinen Tisch, auf welchem sich Kleidung zu befinden scheint. "Zieh sie an" hört sie leise die Stimme ihres Herrn und so ergreift sie die Kleidung, legt Stück für Stück die aus feinstem Metall gefertigten Teile an. Ungewohnt schwer ist die Rüstung, wirkt sie doch eher wie eine Robe denn wie eine Plattenrüstung. Dann öffnet sie die Türe des Ganges und tritt zwischen all die anderen Untoten, beachtet diese jedoch in keinster Weise. Ihr Blick gilt einzig und allein dem Mann auf der Terasse gegenüber. Arthas. Ihr Herr und Meister. Zügig durchquert sie den Innenraum der Festung, betritt die Terasse und hält erst in gebührendem Abstand zu Arthas inne. Ergeben sinkt sie auf die Knie und sieht zu ihrem König auf. "Eure ergebene Dienerin steht zu Euer vollen Verfügung, mein Herr und Meister." Nur flüchtig bemerkt sie, dass ihre Stimme durch den Tod nichts von dem sanften, melodischen Klang verloren hatte. Einzig ein leicht rauher Unterton scheint sich eingeschlichen zu haben.

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Re: Lymiell

Beitragvon Lymiell » Mittwoch 7. Januar 2009, 18:00

Arthasjünger

Mehr als stolz darauf, dass der große Arthas persönlich entschieden hatte, dass sie, die kleine, unbedeutende Lymiell ein zweites Leben geschenkt bekommen sollte, tat sie alles dafür, um Arthas stolz auf sie zu machen und ihm zu beweisen, dass sie ihn nie enttäuschen würde.

Hingebungsvoll und erfolgreich kümmert sie sich um die von der Führungsriege ihres Herrn erteilten Aufträge, führt diese mit akribischer Genauigkeit und daraus resultierender Gleichgültigkeit den Opfern gegenüber aus, was ihr bereits nach kurzer Zeit den Ruf einbringt, vollkommen skrupellos und grausam zu sein. Nicht eine einzige Kleinigkeit in ihren Aufträgen stellt sie in Frage, zögert mit der Ausführung nicht eine Winzigkeit. Und neben der Arbeit galt es herauszufinden, welche ihrer Fähigkeiten des alten Lebens sie noch besaß und welche sie verloren hatte. Ebenso musste sie lernen, dass so einige bisherige Angewohnheiten vollkommen überflüssig geworden waren. Um ihren eigenen hochgesteckten Anforderungen zu genügen, mussten die überflüssig gewordenen Angewohnheiten natürlich abtrainiert werden. Mit unbeugsamer Disziplin ging sie daran überflüssiges aus ihrem Alltag zu streichen. Dinge wie wetterfeste Kleidung unter der Rüstung, wärmende Utensilien und Kleinkram für Kurzweil im Rucksack für längere Reisen, das Wissen um Kräuter zur Haltbarmachung von Proviant und zur Herstellung von heilungsfördernden Salben und Tinkturen, Rezepte um wohlschmeckende Gerichte, all das und dergleichen mehr verbannte sie nach und nach aus ihrem Leben und ihrem Gedächtnis. Akribisch arbeitete sie daran, ihre Fähigkeiten im Umgang mit Waffen weiter auszubauen, den Tanz mit der Klinge und ihre neuen Kräfte aufeinander abzustimmen und schlussendlich zu perfektionieren. Die Tatsache, dass auch ein untoter Körper Zeiten der Ruhe braucht scheint zu diesem Zeitpunkt für sie vollkommen irrelevant zu sein. Wenn der Rest der von Arthas auserwählten Kriegern sich längst zur Ruhe begeben hat, trainiert sie noch immer den Klingentanz und arbeitet bereits wieder an der Verfeinerung und Perfektionierung ihres Kampfstils, wenn die andern gerade wieder aufstehen. Erst als sie ihre Fähigkeiten als annehmbar einstuft hört das übertriebene Training auf. Sie trainiert weiterhin mehr als die andern, doch widmet sie nun den Großteil ihrer Zeit den Worten der Ausbilder. Eingehend beschäftigt sie sich mit den zusätzlichen Fähigkeiten, welche sie erlernen kann. Wägt deren Vor- und Nachteile ab und selbst nach ihrer Entscheidung für einen der Ausbildungspfade besucht sie weiterhin wann immer es ihr möglich ist auch den Unterricht der anderen Ausbilder.

Dann endlich ist es soweit und ihre Mühen werden belohnt. Sie darf in die Schlacht gegen die Kapelle in den Pestländern ziehen. Endlich darf sie diesem Dorn im Auge ihres Meisters gegenübertreten und Anteil haben, an dessen Vernichtung. Akribisch überprüft sie ihre Ausrüstung, legt sorgfältig ihre Rüstung an und poliert noch einmal kurz die Klinge, welche sie zum Ruhme Arthas´ gegen die Verteidiger der Kapelle schwingen wird um Tod und Verderben unter ihnen anzurichten. Dann lässt sie sich zum Lager unterhalb der schwarzen Festung fliegen und sattelt ihr schwer verdientes Todesstreitross um sich anschließend eilig den Truppen anzuschließen, welche die Ehre haben, die Kapelle zu vernichten. Durchströmt und gestärkt vom Segen ihres Herrn folgt sie wie alle anderen auch dem Aufruf zum Angriff und wütet unter den Verteidigern. Ihr Handeln ist einzig von dem Gedanken an den Sieg und die Vernichtung der Feinde ihres Herrn beherrscht. Nicht ein Gedanke wird an eine mögliche Niederlage verschwendet. Doch trotz aller Aufopferung und allem Kampfeswillen tritt genau dies ein. Sie unterliegen den Verteidigern der Kapelle. Lymiell nimmt die daraus folgenden Geschehnisse wie durch dichten Nebel wahr. Zu sehr ist sie damit beschäftigt nach dem Grund der Niederlage zu forschen, nach Fehlern zu suchen, die sie gemacht haben könnte. War sie vielleicht an der Niederlage schuld? Hatte sie versagt? Über der geistigen Revision ihrer eigenen Kämpfe registriert sie die Geschehnisse um sich herum nur flüchtig. Erst als Arthas selbst auftaucht und sich nur wenig später geschlagen zurückzieht nimmt sie den Tumult um sich herum wahr. Entsetzt erkennt sie, dass jene, die eben noch bedingungslos für ihren Herrn kämpften, sich nun gegen ihn wandten, sich von ihm los sagten und ihre Treue dem Kampf gegen Arthas verschworen. Zutiefst enttäuscht von jenen, die sich für sie als undankbare und feige Verräter entpuppten und so leise wie möglich tritt sie den Rückzug an, verlässt den Tumult und kehrt zur schwarzen Festung zurück um ihren Treueeid gegenüber Arthas zu erneuern, ihm zu beweisen, dass sie nicht zu diesen Feiglingen gehört, welche ihr Fähnchen nach dem Wind richten und grade zum Feind überlaufen. Doch dort angekommen muss sie feststellen, dass der Verrat bereits in die Festung sickert. So unauffällig wie möglich packt sie ihre wenigen Habseligkeiten und verlässt noch vor der Rückkehr der ehemaligen Führungsriege die fliegende Festung wieder. Sich an die in der Festung aufgeschnappten Gerüchte klammernd, dass Arthas sich zur Eiskrone zurückgezogen hätte, tritt sie die lange Reise an, welche notwendig ist, um ihm zu folgen.

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Re: Lymiell

Beitragvon Lymiell » Mittwoch 4. Februar 2009, 07:53

((ooc: Momentan hab ich leider nicht die Zeit wirklich an der Geschichte weiter zu schreiben. Fortsetzung folgt, auch wenn sie dauert.))

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